Tom Wesselmann & Monica Serra - Ein Künstler und seine Muse.

21. April bis 4. Juni 2016

 

Der Künstler und seine Muse – unter diesem spannenden Motto startet die Galerie Andrea Madesta mit den beiden Künstlern Tom Wesselmann und Monica Serra in die zweite Ausstellung des Jahres. Gezeigt werden Arbeiten Wesselmanns, mit Monica Serra als Modell, als auch Arbeiten von ihr selbst. Der Werkkomplex des US-Amerikaners Tom Wesselmann (1931–2004) umfasst mehr als vier Jahrzehnte künstlerischen Schaffens. Er zählt neben Andy Warhol und Roy Lichtenstein zu den wichtigsten Vertretern der Pop-Art.

Wesselmanns Zugang zur Kunst scheint zufällig stattgefunden zu haben. Während seiner Zeit als Soldat im Korea-Krieg entstehen erste Comics. Nach seiner Entlassung beginnt er ein Kunststudium an der Art Academy of Cincinnati in der Absicht, Cartoonist zu werden. Danach studiert er bis 1959 freie Kunst an der Cooper Union in New York.
In seiner künstlerischen Praxis setzt sich Wesselmann intensiv mit Traditionen der historischen und der modernen Kunst auseinander. Als seine Vorbilder nennt er Henri Matisse und Willem de Kooning. Auch die Arbeiten von Tizian, Goya und Manet sind für ihn von großer Bedeutung.

„The challenge for an artist is always to find your own way of doing something“ (Tom Wesselmann)

Wesselmann arbeitet daran, seine eigene Bildsprache zu entwickeln. Dabei hält er einerseits an der traditionellen Einteilung von Gattungen fest. Aktdarstellungen, Stillleben und Landschaften prägen sein Werk.Tom Wesselmann entwickelt vielfältige technische Verfahren, er malt traditionell mit Öl auf Leinwand, setzt diese in der Form der dargestellten Objekte als Collagen ein, die er mit Assemblagen aus Alltagsgegenständen (Hausrat, Zeitungspapier und Werbeanzeigen) ergänzt. In den 1980er Jahren konzentriert er sich zunehmend auf das Medium der Zeichnung. So entwickelt er aus der Zeichnung den Stahlschnitt, das Cut Out, und transformiert die filigranen Linien und Formen in eine dritte Dimension.
Alex Katz, der Wesselmann in New York in seinem Studio aufsucht, engagiert sich für dessen Arbeiten und verschafft ihm 1961 eine erste Einzelausstellung in der Tanager Gallery, NYC. Den Durchbruch erlangt Tom Wesselmann Ende der 1960er Jahre mit seinem Werk „Great American Nude“, eine ganze Serie an Frauenakten folgen. Neben den „Nudes“ entstehen Stillleben und Landschaftsdarstellungen und weitere Serien, wie etwa „Smokers“, „Seascapes“ und „Abstractions“.
Wesselmann`s Nude sind abstrakte Wesen, ohne Gesicht, der Körper wird auf wenige sexuelle und optische Schlüsselreize reduziert. Die Frau als Fetisch. Heute erscheinen diese Darstellungen deutlich weniger aggressiv und pornografisch als in den 1960er Jahren In dieser demonstrativen sexuellen Konnotation liegt beides zugleich: die Affirmation eines neuen sexuellen Selbstbewusstseins, aber auch eine Kritik an der Kommerzialisierung von Sex und Körper.

Monica Serra und Tom Wesselmann lernen sich Anfang der 1980er Jahre bei einer Ausstellungseröffnung in der Sidney Janis Gallery in New York kennen. Ebenso wie Wesselmann ist auch Serra als Künstlerin und Countrymusikerin tätig, schnell wird sie seine Muse, Modell, Freundin und Vertraute.

Monica Serra studiert an der California University, Pennsylvania und an der Old Dominian University in Norfolk, Virgina. Seit 1994 ist sie bei zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen sowohl in den USA als auch in Europa vertreten. Darüber hinaus ist Serra seit über 20 Jahren, bis über Wesselmanns Tod hinaus, für das Wesselmann Studio tätig und arbeitet parallel an ihren eigenen Werken.

Thematisch widmet sich auch Serra, die selbst für zahlreiche Aktdarstellungen Modell gestanden hat, der Darstellung von Weiblichkeit. Die Art und Weise ihrer Darstellung ist aber eine gänzlich andere. Die gezeigten Werke aus den 2010er Jahren sind in der Formensprache und Farbwahl sehr viel komplexer, subtiler und nachdenklicher. Die Figurendarstellungen erscheinen als Momentaufnahmen, als eine Form von Erzählung, deren vorangegangene Handlung dem Betrachter verborgen bleibt. Serra setzt die Ölfarbe in raschen Pinselstrichen sehr offen und assoziativ ein, und evoziert mit dieser Technik den für ihre Werke charakteristischen skizzenhaften Charakter. Die dargestellten Figuren wirken nachdenklich und sehr gefühlsbetont. Der Fokus liegt auf der emotionalen Ebene. Tiefgründig, mysteriös und voller Rätsel spiegeln diese Szenen starke Eindrücke, in denen es um Gefühle und Beziehungen geht.

In der Gegenüberstellung werden die verschiedenen Frauentypen greifbar:
Während Wesselmann den Körper der Frau als Objekt auf ihre Geschlechtsmerkmale reduziert und drapiert, sind Serras Arbeiten vielmehr als filmstills zu verstehen.
Im Nebeneinander eröffnet sich ein interessantes und spannendes Wechselspiel zwischen Tom Wesselmanns Blick auf Monica Serra und ihr eigener Blick auf sich selbst. Da Wesselmann ihren echten Namen in seinen Bildern übernimmt ist Monica Serra nicht nur ein x-beliebiges Modell.

Zum Künstler Tom Wesselmann

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