Otto Piene

6. November 2015 - 8. Januar 2016

Otto Piene (1928 bis 2014)

Fünfzig Jahre nach der Gründung der Künstlergruppe ZERO boomt es erneut.

Seit vergangenem Jahr stellen Museen und Galerien in New York, Amsterdam, Münster, Düsseldorf, Baden-Baden, Berlin und anderswo Werke dieser letzten großen internationalen Kunstavantgarde aus.

Wer in der Kunst von Zero spricht, denkt sofort an die drei Künstler. An Otto Piene, den Schöpfer zarter Lichtballette und dramatischer Rauchbilder, an Hans Mack, der leuchtende Ballons in den Nachthimmel über Düsseldorf schickt und in der nordafrikanischen Wüste silbrige Reflektoren aufstellt, und natürlich auch an Günther Uecker und dessen Nagelbilder.

1957/58 beginnt eine europäische Kunstbewegung, die in Düsseldorf ihr Zentrum hat. Gemeinsam mit Heinz Mack gründet Otto Piene die später international einflussreiche Künstlergruppe ZERO (Nullpunkt der Kunst), der sich 1961 auch Günther Uecker anschliesst.

Otto Piene 1961 „Unser entscheidendes Erlebnis ist eine Zeit, die von astronomischen, von kosmonautischen Abenteuern träumt, in der der Mensch in der Lage ist, die Erde zu verlassen, die Schwerkraft zu überwinden. Uns interessiert das Licht, uns interessieren die Elemente, Feuer, Luftströmungen, die unbeschränkten Möglichkeiten, eine bessere, eine hellere Welt zu entwerfen."

ZERO – das ist der Ausdruck unserer grenzenlosen Erwartungen. Die Expedition unserer Imaginationen entfernt sich unaufhaltsam von der beklemmenden Melancholie der alten Gewohnheiten.

Ein in Worten und Werken enthusiastisch vorgetragener Optimismus, motiviert durch künstlerische und gesellschaftspolitische Ziele.

Die drei Künstler schaffen in Düsseldorf nicht nur einen Ausstellungsbrennpunkt, an dem sich internationale Künstlerwege kreuzen, sondern verbreiten in der Zeitung ZERO, die sie herausgeben, ihre neuartigen künstlerischen Techniken und Konzepte. Zu Beginn der 1960er Jahre werden weltweit ZERO-Ausstellungen organisiert. Im Zentrum steht der Wunsch nach einer Erneuerung der Kunst, in Verbindung mit der Absage an die expressive und emotionale Gestik des in den 1950er Jahren vorherrschenden Informel. Dem gegenüber steht das Bekenntnis zu einer positiven Weltsicht. Die Künstler wollen neu beginnen und wieder bei Null anfangen. Inspiriert von spirituellen und kosmischen Ideen sowie Entwicklungen in Wissenschaft und Technik wollen sie einen Kunstbegriff schaffen, der die herkömmlichen Grenzen von Bild und Skulptur sprengt, kunstfremde Materialien integriert und den seelisch-geistigen Bedürfnissen des Wiederaufbaus Rechnung trägt.

Otto Piene und Heinz Mack entwickeln – im Namen einer poetischen "Objektivität" – ein energetisches Konzept. Raum, Licht, Luft und Bewegung werden Mittel und Gegenstand einer expansiven Kunstpraxis.

Es gilt die Schwerkraft zu überwinden. Die Objekte sollen sich frei im Raum bewegen. Das Licht soll überall sein „Das Licht malt“ proklamiert Otto Piene und entwirft das Lichtballett. Gegenüber dem Licht tritt der Künstler als Autor seines Werkes zurück.

Die Galerie Andrea Madesta zeigt rund 60 Arbeiten von Otto Piene, aus den 1960er Jahren bis zu seinem Tod 2014. Neben Grafiken sind auch zahlreiche Unikate zu sehen.

In der gesamten Schaffensperiode wird deutlich, welche Bedeutung das Zusammenspiel von Farbe, Licht, Raum und Bewegung für Otto Piene hat. Ihm geht es darum, den Betrachter zu sensibilisieren, ihn die Wirkung einer Farbe, die Brechung und Reflexion des Lichts und die Veränderungen durch Bewegung wahrnehmen zu lassen. Voller Hoffnung und Optimismus – gerade in den 1960er Jahren fliegen erste Raumflugkörper ins All – setzt er industrielle Materialien sowie die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Licht künstlerisch ein. Himmel, Meer, Antarktis und Wüste werden zu neuen Kunstorten.

Mitte der fünfziger Jahre beginnt Piene, sich künstlerisch mit dem Element Licht auseinanderzusetzen. Ende der 1950er Jahre entstehen die ersten Rasterbilder, 1959 seine legendären Lichtballette und Rauchbilder, mit denen er sich auf elementare Natur-Energien bezieht und eine Verbindung von Natur und Technik herzustellen sucht. Wie die Arbeiten der anderen Zero-Künstler besitzen auch Pienes Auseinandersetzungen mit den Themen Licht, Bewegung und Raum seit den 60er Jahren, zu denen die Luft- und Lichtplastiken und die von ihm inszenierten Luftprojekte und Sky Events der ausgehenden 60er (u.a. Schlussfeier d. Olympische Spiele, 1972) zählen, ebenfalls experimentellen und multimedialen Charakter.

Pienes Werke werden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen – u.a. im Stedelijk- Museum Amsterdam (1962), im Rahmen der ersten Retrospektive im Museum am Ostwall in Dortmund (1967), im Kunstmuseum Düsseldorf (1996) und im ZKM Karlsruhe (2006) – gezeigt. 1964 ist er auf der Documenta 3 (ZERO-Lichtraum) und 1977 auf der Documenta 6 präsent, 1967 und 71 gestaltet Piene den deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig, ist 1985 auf der Biennale von Sao Paulo vertreten.

Nach einer Gastprofessur an der University of Pennsylvania (Philadelphia) zieht Piene 1965 nach New York. Seit 1968 arbeitet er als Dozent, 1974 wird er Direktor des Center for Advanced Visual Studies – CAVS – des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA. 1968 bis 1971 ist er Fellow im Center for Advanced Visual Studies (CAVS). 1972 wird er Professor of Visual Design for Environmental Art am Massachusetts Institute of Technology, 1974 zum Direktor des CAVS berufen. Dort ist er bis 1994 tätig.

Im Dezember 2008 gründet Piene gemeinsam mit Heinz Mack, Günther Uecker und der Stiftung Museum Kunstpalast die ZERO Foundation. Die Künstler stifteten je 40 Werke sowie ihre Dokumente aus der ZERO-Zeit.

Zuletzt arbeitet Piene in Groton, Massachusetts, Boston sowie in Düsseldorf.

Künstlerisch wie konzeptionell bewegt er sich im Grenzbereich von Kunst und Wissenschaft. Mit Feuer "gemalte" Bilder beschäftigten ihn bis zum Schluss. "Feuerblumen" als Zeichen einer friedlichen Revolution. Als Künstler bleibt Piene Programmatiker des Neuanfangs: "Es werde Licht" – der Titel einer seiner Ausstellungen. "More Sky" heißt die Schau in der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

Am 17. Juli 2014 stirbt Otto Piene während einer Taxifahrt in Berlin, wo er sich anlässlich der Eröffnung seiner Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie aufhielt.

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